HOME STAGING – Was hat das mit Reifenfarbe zu tun?

Am vergangenen Wochenende habe ich meine Freunde Barbara und Günther in Hildesheim besucht. Sie sind Hausbesitzer und haben aus der verwunschenen Hütte einer öffentlichkeitsscheuen alten Frau eine wunderschöne Immobilie gemacht.

Als ich von meiner Idee erzählt habe, Häuser und Eigentumswohnungen mit Home Staging wertvoller und schneller verkaufbarer zu machen, hat mir Günther erzählt, dass er diese (seine) Immobilie immer über einen Immobilienmakler verkaufen lassen würde, und es ein ihm egal, ob sein Haus für 10.000 € mehr oder weniger verkauft werden würde – Hauptsache er hat damit dann keine Arbeit mehr.
„Ich will dann einfach nur meine Ruhe haben. Der Makler macht das schon. Außerdem will ich mein Geld in meine neue Immobilie investieren und nicht noch Geld in das alte Haus stecken. Ich glaube auch nicht, dass ein bisschen Farbe das Haus besser aussehen läßt“.

Soviel zu seinen Ansichten zu diesem Thema.  Ok, dachte ich, hier ist jetzt Überzeugungsarbeit angesagt. Denn sein Haus, das mit viel Herzblut umgebaut und eingerichtet wurde, soll doch nicht zum Schleuderpreis verramscht werden. Außerdem sind 10.000 € eine Menge Geld und mancher würde sich freuen, sich diesen Betrag quasi steuerfrei zu verdienen. Also gab ich ihm einige Beispiele aus der Praxis:

 Wer sein Auto verkauft, der beschäftigt sich meist ein ganzes Wochenende damit, nur um es total fein rauszuputzen. An einer Stelle der „Putzorgie“ des alten Autos gibt es einen tollen Vergleich zum Herausputzen einer Immobilie, um sie neuer und teurer aussehen zu lassen: Mit Reifenfarbe einen guten Eindruck der Reifen vorzutäuschen. Ich glaube, wir sind uns einig, dass Reifenfarbe und Felgenspray keine bessere Profiltiefe der Reifen erzeugt, oder? Also nehmen wir mal an, die Profiltiefe ist 3 mm an allen Reifen. Das ist ziemlich grenzwertig im Hinblick auf Geldbuße und Punkte in Flensburg. Und wenn man jetzt auf die Reifen schwarze Reifenfarbe aufträgt und die Stahl-Felgen zudem noch mit Felgenspray behandelt, um sie wie neu aussehen zu lassen, dann macht das Auto doch einen guten Eindruck? Und über welche Summen sprechen wir hier? 20 – 30 €?? Das sind nicht selten 1 – 2 % vom Wert eines Autos, um es hinterher vielleicht für 100 oder 200 € teurer zu verkaufen. 
Sehen Sie, und hier finden Sie die Parallelen zum Hausverkauf mit Home Staging: Man investiert etwas Farbe und Zeit, um die Immobilie schick aufzumöbeln und verdient sich dabei so nebenbei 10 – 15 Prozent mehr durch die damit verbundene Wertsteigerung. Allerdings sind es bei Immobilien natürlich ganz andere Dimensionen: Bei einem Preis von 150.000 € für eine Immobilie sprechen wir hier über 15.000 – 22.500 € – und der Einsatz beträgt vielleicht 1.500 – 3.000 € für eine „Komplett-Überarbeitung“. Das lohnt sich doch, oder etwa nicht?Und dann können Sie noch unzählige weitere Möglichkeiten wahrnehmen, um einen Garten wie neu aussehen zu lassen:Mit schwarzer Mülleimerfolie, einigen Steinen vom Feld oder Straßenrand sowie einer kleinen Putte vom Flohmarkt läßt sich für etwa 2,50 € eine kleine Vogeltränke zaubern. Bei den öffentlichen Kompostereien können Sie für wenig Geld Hackschnitzel (also geschreddertes Astwerk) kaufen und über den Garten verteilen und schon haben Sie einen gepflegt aussehenden Prachtgarten. Auf Pflanzenbörsen können Sie billig Pflanzen kaufen und den Garten damit wie neu aussehen lassen. Der Käufer wird es Ihnen mit einem üppigen Aufschlag auf den Verkaufspreis danken. Zu Ihren Gunsten, versteht sich.  Und am Ende war Günther dann doch davon überzeugt, dass sich etwas Aufwand lohnt, um sein Traumschloß teuer an die Frau oder den Mann zu bringen. Man braucht nur die richtige Einstellung dazu. 

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